Verantwortung und Tun

Die letzten zwei Monate waren in vielerlei Hinsicht bewegend: Das Erdbeben und der Tsunami am 11.03.2011 in Japan mit der folgenden Reaktorkatastrophe in Fukushima. Das Erdbeben und  der Tsunami am 11.03.2011 in Japan mit der folgenden  Reaktorkatastrophe in Fukushima. Dann die plötzliche Betroffenheit  unserer Atompolitiker, die doch mindestens seit Tschernobyl vor 25  Jahren wissen müßten, daß so etwas immer wieder passieren wird,  solange es Atomkraftwerke gibt! Denn schon 1980 wurde die  statistische Wahrscheinlichkeit für einen GAU in einem Atomkraftwerk  auf 1x in 10000 Jahren angegeben – macht bei derzeit 400  Atomkraftwerken weltweit also 1x in 25 Jahren! Fast zwingend folgt  der Atomkatastrophe dann prompt die Wahl des ersten grünen Ministerpräsidenten (und das ausgerechnet hier im “Musterländle”).
Zeitgleich tobt der Bürgerkrieg in Libyen, in den nun auch das  Ausland eingreift (vor allem Frankreich macht mobil gegen den  Diktator, dem es zuvor die Flugzeuge und Waffen geliefert hat), hinzu  die ganze “Diktatorendämmerung” im Nahen Osten, Aufstand in Syrien  (wo keiner hilft) und zuletzt das Killerkommando, das Bin Laden tötet…

Ein paar Monate haben gereicht, um ganze Weltbilder zu kippen: Da wurde uns jahrelang erzählt, die Diktatoren in den arabischen Ländern wären notwendig, um den drohenden Islamismus zu stoppen – und siehe da, plötzlich offenbart sich, daß die Menschen in diesen Ländern Demokratie wollen und keinen Gottesstaat. Da wurde soeben mit dem Hinweis auf die dringend notwendige “Brückentechnologie” der Ausstieg aus dem Atomausstieg vollzogen, und schon lassen sich plötzlich sieben Reaktoren abstellen, ohne daß in Deutschland der Strom ausfällt. Da kriegt die CDU, die in Baden-Württemberg immer so sicher im Sattel saß, nach 58 Jahren plötzlich den Laufpaß – und besinnt sich ebenso plötzlich darauf, zukünftig mehr den Bürger und die Basis in politische Entscheidungen mit einzubeziehen. Und da bringen Kriege und Killerkommandos die Frage nach Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit auf den Tisch – und auch hier verschwimmen plötzlich die Grenzen von Gut und Böse: In Guantanamo, so ist es jetzt amtlich, sitzen überwiegend Unschuldige ein (und werden dennoch nicht freigelassen) und in den USA wird öffentlich erklärt, daß die Hinweise zum Aufenthalt von Osama Bin Laden der Folter in den Geheimgefängnissen der CIA zu verdanken sind. Trifft auch hier die alte Regel zu, daß man dem “Feind” immer ähnlicher wird, je mehr man sich auf den Kampf mit ihm einläßt?

Egal, wie wir zu all diesen Dingen stehen – eines wird deutlich: Die alten Strukturen der Macht und Politik geraten ins Wanken. Das selbstherrliche Regieren über die stumme Masse der Untertanen ist vorüber, ebenso wie die noch im Kolonialismus wurzelnde alte Einteilung der Welt in “Gewinner” und “Verlierer”. Niemand vermag im Moment zu sagen, wie die Welt in zehn, fünfzig oder hundert Jahren aussehen wird! In der arabischen Welt genügte der Funke in Tunesien, um einen Flächenbrand auszulösen, in den Industrienationen mußte leider eine Naturkatastrophe nachhelfen, um das im Wandel begriffene Bewußtsein zu verantwortlichen Taten zu führen. Denn genau darum geht es: Durch das selbstsüchtige und kurzsichtige Handeln der Mächtigen in Politik und Wirtschaft sind viele Bereiche unseres Lebens in einen Zustand geraten, der dringend erfordert, daß wir selbst Verantwortung übernehmen, um die Dinge zum Positiven zu wandeln. Oder anders ausgedrückt, wir haben das “böse Spiel” der Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung viel zu lange geduldet und dadurch mitgetragen. Rüdiger Dahlke hat dazu eine deutliche Situationsanalyse erstellt: www.dahlke.at/veroeffentlichungen/artikel/kolumne/maerz_2011.php

Doch nun ist es allerhöchste Zeit, das zu ändern. Dabei geht es schlicht um Verantwortung und konsequentes Handeln von uns allen! – Denn die Atomkraft könnte bei uns längst Vergangenheit sein, wenn alle, die gegen Atomkraft sind (70% der deutschen Bevölkerung), endlich zu einem Anbieter wechseln würden, der 100% Strom aus erneuerbaren Energien bietet. Dazu braucht es heutzutage nur noch eine Postkarte und der neue Anbieter erledigt den Rest. Wir brauchen zum Ausstieg aus der Atomkraft gar keine Regierungen stürzen, wir haben es tatsächlich selbst in den Händen. Mehr dazu gibt’s z.B. hier:  http://www.ews-schoenau.de, http://www.lichtblick.de, http://www.greenpeace-energy.de oder http://www.naturstrom.de

Oder betrachten wir all die Wirtschafts- und Schuldenkrisen, die Folge der Zockereien von Banken und Börsen sind. Auch da tragen wir Verantwortung, denn WIR geben diesen Banken und Spekulanten UNSER Geld und lassen sie damit spielen. Und warum? – Weil wir selber scharf sind auf noch eine bessere Rendite hier und noch ein paar  Zinsen da, weil wir also selber (am Rande) bei diesen Spielen mitmischen wollen, um auch ein bißchen zu gewinnen. Nur leider  verlieren wir auf jeden Fall, denn die große Zeche zahlen wir mit unseren Steuergeldern sowieso. Warum also nicht gleich das eigene Geld dorthin geben, wo ethisch damit gearbeitet wird, z.B. hier:  http://www.gls.de oder hier: http://www.umweltbank.de -  Schon im September 2008, also kurz vor dem “großen Knall” habe ich  dazu einen ausführlicheren Artikel mit dem Titel “Finanzkrise oder  Finanzchance?” in meinem Newsletter veröffentlicht. Der hat  inzwischen sogar seinen Platz im Internet gefunden: www.frankdoerr.de/business/finanzkrise-oder-finanzchance-93.html

Es ließen sich noch viele Beispiele aufführen, wo wir durch aktives  Engagement oder zumindest durch die Unterstützung derer, die sich  aktiv engagieren, etwas für Menschenrechte, Naturschutz, fairen  Handel, Frieden, Völkerverständigung, erneuerbare Energien,  Tierschutz, Entwicklungszusammenarbeit u.v.m. TUN können. Denn das  Zauberwörtchen heißt ganz einfach “tun”. Das einzige, was uns  meistens zurückhält, ist unsere Bequemlichkeit. Der Job und das Leben  sind schon anstrengend genug und jetzt sollen wir auch noch  Verantwortung für die ganze Welt übernehmen? – Betrachten wir es nach  den Worten des Dalai Lama einfach als “klugen Egoismus”. Zitat: “Wir  nehmen eine kleine Unannehmlichkeit auf uns, um größere  Unannehmlichkeiten zu vermeiden.” – Manchmal braucht es ja sogar nur  eine Unterschrift. Z.B. bei diesen engagierten Organisationen: http://www.attac.de, http://www.avaaz.org/de, http://www.campact.de, http://www.regenwald.org, http://www.greenpeace.de u.v.m.

“Verantwortung und Tun”… Vielleicht springt der Funke ja über – vielleicht  sind Sie ja auch längst entflammt, etwas zur Verbesserung des Lebens und der Welt zu tun. Jeder Beitrag ist wichtig, jeder Beitrag zählt!
Auf daß alle unsere Beiträge zusammen dem Wohle aller Wesen dienen…

Herzliche Grüße
Michael Gienger

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